Lässt sich Amerikas Wirtschaft wieder aufrichten?

Paul Craig Roberts holt im Folgenden bis hin zur Auflösung der Sowjetunion aus, um die Wirkmechanismen der Globalisierung, denen sich logischerweise nicht nur die amerikanische Wirtschaft ausgesetzt sieht, zu beschreiben. Unter anderem verweist er auf seine Empfehlung, die ausgelagerten Arbeitsplätze in China „heimzuholen“. Nichts anderes forderte kürzlich Donald Trump…

Wirtschaftsfacts-Redaktion
Wirtschaftsfacts-Redaktion

Ich war nicht nur über die Zustimmungsquote unter meinen Lesern, sondern auch über die Art der Reaktion auf einen meiner vorherigen Berichte, der sich um Trumps Aufruf zum Verlassen Chinas durch amerikanische Unternehmen drehte, überrascht.

Es geht schließlich um nichts anderes als eine Heimholung von Arbeitsplätzen, die eine Vielzahl unserer Unternehmen vor geraumer Zeit in der Heimat zwecks Auslagerung und Kosteneinsparungen nach Übersee ausgelagert hatten.

Amerikanische Ökonomen, das Gros der Finanzmedien und Washingtons politisch Verantwortliche haben meinen Analysen hinsichtlich des wirtschaftlichen Verfalls unseres Landes in der Vergangenheit keine Aufmerksamkeit geschenkt.

Dieser Verfall ist aus meiner Sicht hauptsächlich einem in rasanter Geschwindigkeit um sich greifenden Globalismus nebst einer Auslagerung von amerikanischen Arbeitsplätzen und Technologien nach Übersee zu verdanken.

Bislang war ich stets der Ansicht gewesen, dass auch meine Leser diesen Entwicklungen und Zusammenhängen mit nur wenig Interesse begegnen würden. Viele Leser berichten mir, dass ökonomische Themen bei ihnen nicht gut ankämen.

Hierin dürfte sich auch der Grund finden, weswegen meine Wirtschaftsberichte die am wenigsten gelesenen von allen auf meiner Webseite sind.

Ich war noch überraschter, als ich durch ausländische Medien, darunter Press TV im weit entfernten Iran, kontaktiert wurde, um nach einem Interviewgespräch über meinen Einfluss auf das Weiße Haus gebeten zu werden. Was bedeutet das alles?

Einerseits wäre es möglich, dass jemand Trump meine jüngste Kolumne gezeigt oder vorgelesen haben mag. Andererseits wäre es jedoch auch denkbar, dass sich der jüngst ergangene Aufruf Trumps gegenüber heimischen Unternehmen lediglich als Eskalationszuspitzung in dessen Drohgebärdenkabinett erweisen mag.

Hinter Trumps Aufruf würde sich in diesem Fall kein Verständnis für die Materie an sich verbergen, sondern vielmehr würde sich hierin die Signifikanz einer Erhebung von Zöllen spiegeln, um den Mangel an qualifizierten Jobs aus Sicht von amerikanischen Arbeitskräften zu korrigieren und den anhaltenden Rückgang der Realeinkommen in den USA zu einem Stillstand zu bringen.

Wie dem auch sei, falls hochrangigen Personen im Weißen Haus tatsächlich eine Erleuchtung gekommen sein mag, und sich abzuzeichnen begänne, dass Trump durch sein Umfeld ein Weg aufgezeigt würde, wie sich damit fortfahren ließe, ehedem ausgelagerte Arbeitsplätze wieder in die USA – wo sie hingehören – zurückzuverlagern, werde ich mich diesem Thema erneut widmen.

Vielleicht werden Wirtschaftshistoriker in der Zukunft einmal schreiben, dass Paul Craig Roberts und Michael Hudson zu jenen Mahnern zählten, die bereits vor mehr als zwei Dekaden aufgrund dieser Entwicklungen bezüglich eines drohenden Zusammenbruchs der amerikanischen Wirtschaft sowie der weltweiten Vormachtstellung der Vereinigten Staaten lautstark gewarnt hatten.

Blicken wir nun erst einmal ein wenig zurück bevor wir voranschreiten. Als die Sowjetunion plötzlich und unerwartet zusammengebrochen war, gaben sowohl China als auch Indien ihre sozialistischen Systeme auf, um ihre Ökonomien für westliches Kapital zu öffnen. Die Sowjetunion brach nicht zusammen, weil Reagan den Kalten Krieg gewann.

Vielmehr zeigten sich Hardliner-Elemente in der Führung der Kommunistischen Partei damals besorgt, dass Gorbatschow zu sorglos agierte, den Amerikanern zu viel Vertrauen entgegenbrachte und zu großzügig von den imperialen Ansprüchen des sowjetischen Imperiums zurücktrat.

Um eine Auflösung dieses Imperiums, dessen Peripherie Russland vor einer Landinvasion schützte, zu verhindern, setzten die Hardliner in der kommunistischen Staatsführung Gorbatschow schließlich unter Hausarrest.

Es war jedoch eben jener Schachzug, der den Zusammenbruch der Sowjetunion mit ins Rollen brachte, woraufhin Boris Jelzin, eine Marionette Washingtons, an die politische Macht gelangte. Diese Zeit nutzend, sorgte Washington für eine Aufspaltung der ehemaligen Sowjetunion, um sich im russischen Riesenreich in Zusammenarbeit mit Israel munter lustig zu bedienen und Russland seiner Ressourcen zu berauben.

Die Schlussfolgerung, die hieraus in Indien und China – den beiden Nationen mit der weltweit größten Bevölkerung – gezogen wurde, war, dass der Sozialismus schlussendlich in den Zusammenbruch führen würde, während der Kapitalismus Prosperität und Wohlstand verhieß.

Zum ersten Mal wurde die enorme Anzahl an unterbeschäftigten Arbeitskräften in den beiden meistbevölkerten Nationen dieser Erde zugunsten einer Ausbeutung durch ausländische Interessen verfügbar gemacht.

Diese Arbeitskräfte konnten und durften ausgebeutet werden, was bedeutete, dass den Betroffenen geringere Löhne in Relation zu deren Beitrag an der Produktion bezahlt wurden. Hauptgrund hierfür war ein massives Überangebot an Arbeitskräften an den Jobmärkten beider Nationen.

Amerikas Unternehmensvorständen und Direktoren – wie auch der Wall Street – entging diese sich bietende Möglichkeit zur Steigerung der Unternehmensgewinne keineswegs. Die ersten ausländischen Unternehmen, die sich nach China aufmachten, waren allerdings enttäuscht. 

Schnell kursierten Gerüchte, laut denen die sich bietenden Möglichkeiten nicht dem entsprechen würden, was man sich einst von ihnen erhofft hatte. Doch China schickte sich an, die Offshore-Produktion zu einem lukrativen Abenteuer zu machen. Hierauf folgte eine massenhafte Arbeitsplatzauslagerung aus den USA in Richtung Chinas.

Folge war wiederum, dass Amerikas Mittelklasse zu schrumpfen begann – und mit ihr die Steuerbasis von amerikanischen Städten und Bundesstaaten. Diese Entwicklung wirkte sich folgerichtig negativ auf die Prosperität in den USA aus. Doch das ökonomische Leid wurde mittels gefälschter Inflations- und Arbeitsmarktdaten sowie geschönten BIP-Berichten übertüncht.

Gleichzeitig erzeugte die Federal Reserve massive Beträge an neuen elektronischen Geldeinheiten, welche neben den Vermögenswerten an den Finanzmärkten auch die Immobilienpreise in die Höhe katapultierten.

Als die Schmerzen für jedermann spürbar wurden und sich nicht mehr länger verstecken ließen, ist China für die Entbehrungen unter amerikanischen Arbeitnehmern verantwortlich gemacht worden, um sich den wiederholten Vorwurf anzuhören, zu viele Güter in die Vereinigten Staaten zu exportieren.

All jene Leute, die China den schwarzen Peter bezüglich der aktuellen Verhältnisse zuschoben, scherte es nicht, einen Blick auf den prozentualen Anteil an allen Importen aus China zu werfen, der sich aus Apple-Computern, iPhones, Schuhen von Nike, Jeanshosen von Levi Strauss, usw. zusammensetzte.

Die unter amerikanischen Konzernen nach Übersee ausgelagerte Produktion vereint einen großen prozentualen Anteil an allen Importen unseres Landes auf sich. Güter und Dienstleistungen, die durch amerikanische Unternehmen im Ausland hergestellt oder angeboten werden, zählen als Importe, wenn diese Güter und Dienstleistungen zurückverbracht und in den USA verkauft oder angeboten werden.

Anders ausgedrückt handelt es sich im Fall des chinesischen Importproblems in der Realität um jene einstmals ausgelagerte Produktion unter amerikanischen Unternehmen, welche hernach reimportiert und an amerikanische Verbraucher abgesetzt wurde.

Diese amerikanischen Verbraucher sahen sich jedoch nicht mehr länger in die Produktion von Gütern und Dienstleistungen involviert. Folgerichtig entfiel auch kein Einkommen oder finanzieller Rückfluss an der Produktion und allen Produkten, die sie weiterhin kauften, mehr an sie.

Im Gegensatz hierzu füllten sich die Aktionäre jener Konzerne, die ihre Produktion nach Übersee auslagerten, die Taschen. Indien profitierte von einer Verlagerung amerikanischer Software- und IT-Arbeitsplätze, die sich überall in der Welt hin hätten verlagern lassen, um Endprodukte über das Internet zu verkaufen.

Das Bildungsniveau und die Englischkenntnisse unter Indern machten es amerikanischen Technologiefirmen leicht, immer mehr Arbeitsgenehmigungen zu beantragen, um eine Rekrutierung und Anstellung von amerikanischen College- und Universitätsabsolventen zu umgehen.

Was sich im Lauf des letzten Vierteljahrhunderts beobachten ließ, war eine Zerstörung all jener Liefer- und Wertschöpfungsketten samt Amerikas Arbeitnehmerschaft, die einst den Aufstieg des amerikanischen Industriewesens begründeten. Folge war, dass die einst boomenden Fabriken und Industrieansiedlungen in der Heimat geschlossen, aufgegeben oder in Eigentumswohnungen oder Apartments umgewandelt wurden.

Falls Trump es schaffen sollte, die amerikanischen Konzerne wieder verstärkt nach Hause zu holen, wo werden sich diese Unternehmen dann ansiedeln? Im Fall der Auslagerungsära handelte es sich bildlich gesprochen nicht um eine sechsmonatige Rezession.

Vielmehr vollzog sich der Wandel über viele Jahre, in denen ausgebildete und erfahrene Arbeitskräfte in die Jahre kamen oder verstarben. Der Mangel an Nachfolgern brachte es mit sich, dass immer weniger Arbeitnehmer über eben jene Ausbildung, Erfahrung und Disziplin verfügten.

Heutzutage handelt es sich mit Blick auf China um eine komplett industrialisierte und entwickelte Industriewirtschaft. Für die USA gilt dies nicht mehr. Wenn amerikanische Konzerne wieder nach Hause zurückkehren, dann müssen sie eine entwickelte Ökonomie in China zugunsten einer halb- oder unterentwickelten Wirtschaft in den USA verlassen.

Falls es dennoch dazu kommen sollte, dass diese Konzerne den Schritt alle zum selben Zeitpunkt wagen, werden sie ihre Produktionsbasis in China verlieren, bevor sie jene Fabrik- und Werksausrüstungen, Arbeitnehmer, Lieferketten und funktionierende Transportsysteme wiederaufbauen können, die essentiell für eine Renaissance der amerikanischen Industriemacht wären.

Wirft man einen Blick auf die offiziell durch die Regierung publizierten Arbeitsmarktberichte, so ist es schon eine ganze Zeit lang her, als in den Vereinigten Staaten Produktions- und Industriearbeitsplätze geschaffen wurden. Nach einem Vierteljahrhundert der Kapitalabwanderung, in deren Zuge die amerikanische Arbeitnehmerschaft stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, ähneln die USA heute jenem Entwicklungsstand, den Indien vor einem halben Jahrhundert innehatte.

In dem Mangel an finanziell auskömmlichen Jobs liegt der Grund, weswegen so viele Amerikaner im Alter zwischen 24 und 34 Jahren kein gänzlich unabhängiges Leben führen können, sondern nicht selten noch immer mit den Eltern oder Großeltern unter einem Dach leben. Hierin findet sich auch der Grund, warum Universitätsabsolventen große Probleme damit haben, ihre einst aufgenommenen Studentenkredite zurückzubezahlen.

Um Amerikas Konzerne und Unternehmen zu einer Rückkehr aus China in die USA zu bewegen, wird ein gradueller Prozess vonstattengehen müssen. Die betroffenen Firmen können ihre aktuelle Offshore-Produktion in China nur dann aufgeben, solange sie sich dazu in der Lage sehen, die notwendigen Bedingungen für eine Wiederansiedlung der Produktion in den USA herzustellen.

Der Prozess würde einer Heimholung der Entwicklung in ein produktionstechnisch unterentwickeltes Land ähneln. Trump und dessen Regierung werden diese Unternehmen für ihren enormen Anstieg der Arbeits- und Regulierungskosten kompensieren müssen, wenn es tatsächlich zu einer erneuten Produktion in den USA unter Zuhilfenahme amerikanischer Arbeitskräfte für den US-Markt kommen sollte.

Hierzu müsste die Art und Weise, auf welche Unternehmensgewinne besteuert werden, verändert werden. Firmen, die für den heimischen Markt unter Zuhilfenahme von heimischen Arbeitskräften produzieren, würde ein niedriger Steuersatz zugute kommen. Firmen, die dagegen in Übersee produzieren und ausländische Arbeitskräfte beschäftigen, würden einer hohen Steuerquote ins Auge blicken.

Amerikanische Unternehmen, die im überseeischen Ausland für rein ausländische Märkte produzieren, wären hiervon nicht betroffen. Wenn Trump heimische Unternehmen nun jedoch dazu aufruft, die eigene Produktionsbasis in China aufzugeben, bevor die Bedingungen für eine Wiederansiedlung der Industrie in der Heimat geschaffen wurden, werden sich die Umsätze und Verkäufe der betroffenen Firmen deutlich vermindern.

Schon kommt die Frage auf, ob Trump überhaupt dazu in der Lage ist, amerikanische Firmen zu einem Verlassen Chinas aufzurufen oder heimischen Unternehmen verordnen kann, ihre Produktion aus China in die USA zurückzuverlagern. Es gibt zwei Gründe, weshalb die Drohung Trumps nur simple Rhetorik sein könnte.

Einerseits zeigen sich die betroffenen Konzerne zufrieden mit ihren momentanen Gewinnen, die sich hauptsächlich aus einer Beschäftigung von niedrig entlohnten Arbeitskräften ableiten. Diese Unternehmen lassen nicht die Absicht erkennen, diese Kostenvorteile jemals wieder aufzugeben.

Amerikas global operierende Konzerne verfügen über die Macht und das Geld, um in die US-Präsidentschaftswahlen und die Wahlen in allen anderen Nationen, in denen sie präsent sind, einzugreifen. Falls Trump sich gegen die Interessen dieser globalen Riesen wenden sollte, werden keine Kampagnengelder von dieser Seite mehr fließen. Anstelle dessen werden sich diese Gelder bei Trumps politischem Opponenten ansammeln.

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